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Early-Access Game oder das unfertige Produkt

Early-Access oder das unfertige Produkt

In den letzten Jahren hat sich ein Verkaufsmodell in der Gamingwelt in den Vordergrund gespielt.

Early-Access. Was früher noch Alpha-Status, also eine sehr frühe Version mit wenigen Features und einer Menge Bugs hatte, kommt heute als Early-Access auf die Verkaufsplattformen. Bestenfalls erhält der Spieler bereits eine Beta Version, welche, bis auf Fehler in der Spielmechanik, spielbar ist.

Woher kommt der Trend zur immer früheren Veröffentlichung von teils gravierend unfertigen Spielen?

Auf der einen Seite habe wir die Spieleindustrie. Auf der anderen Seite die nimmersatte Gamer- Community. Beide haben ein berechtigtes Interesse daran, mit neuem Content und in regelmäßigen Abständen, Spiele anzubieten bzw. zu spielen.

War es früher noch der Fall, dass neue Spiele Monate vorab nur ausgewählten Fachzeitschriften für einen ersten Einblick zur Verfügung standen und diese dann mit ersten Einblicken der Kundschaft den Mund befeuchten sollten, wird heute von den Machern der direkte Kontakt gesucht. Keine langwierigen und für kleine Personengruppen vorbehaltenen Betaphasen mehr. Keine aufwändigen Softwaretest. Der Spieler ist der Tester. Live und in Farbe. Am unfertigen Produkt.

Die Vorteile scheinen zu überwiegen. Der Industrie werden Kosten in der Entwicklung erspart. Das nötige Eigenkapital, gerade bei Indie Games, wird reduziert und parallel durch den frühen Verkauf während des Early-Access erhöht. Damit können wichtigere Produktionsschritte finanziert werden. Gleichzeitig haben die Entwickler bereits in einem frühen Stadium werbewirksame Öffentlichkeit. Denn während des fehlerbehafteten frühen Zugangs wird von der Community viel diskutiert, lamentiert, aber auch verbessert. Ein besseres Kontrollorgan als es die Zielgruppe darstellt, kann man sich nicht kaufen.

Hier geht es teils hoch her. Nicht selten wird geschimpft, trotz Wissen um den unzulänglichen Veröffentlichungszustand. Aber eben genauso oft wird gelobt, verbessert, Ideen eingebracht. Die Spiele entwickeln sich nicht selten noch in eine ganz andere Richtung.

Und so haben auch die Spieler ihren Vorteil aus dem Early-Access Modell ziehen können.

Gab es früher noch den harten Kampf um einen der begehrten Beta-Keys, kann sich heute jeder in die frühen Versionen einkaufen. Und das oftmals für einen einmalig günstigen Preis, der bei dem später fertigen Spiel zwei bis dreimal so hoch liegt.

Der frühe Käufer fängt also den Wurm?
Nicht unbedingt. Denn die Nachteile liegen auf der Hand. Neben den bereits angesprochenen Fehlern, Abstürzen und reduzierten Inhalten, braucht der Spieler vor allem Geduld. Das Early-Access Modell hat es kleinen Entwicklern, teils Einzelpersonen, ermöglicht, ihre Projekte zwar anzuschieben, jedoch ist es für sie unmöglich so schnell Content nachzuliefern, wie es große Firmen für ihre Triple A Titel mit einem ganzem Team schaffen. Nicht selten liest man daher, dass es bereits seit einem Jahr kein Update mehr für die Alphaversion XY gab. Und so steht immer das Risiko im Raum, dass der Spieler sein Geld in ein Spiel investiert hat, welches niemals als Vollversion veröffentlicht wird.

Die Statistik lügt nicht.
Und diese besagt, dass nur rund ein Viertel aller Early-Access Spiele überhaupt final veröffentlicht werden. Etwas besser nur schneiden diejenigen ab, die fast zwei Jahre in dieser Phase verbleiben. Trotzdem schafft es nicht einmal die Hälfte aller Early-Access Spiele in den Release einer Vollversion.

Autor: Knubbell